@lilo Oh ja. Gibt mir einmal mehr die Erkenntnis, daß die brandeins nahezu uneingeschränkt lesenswert ist.

@lilo (Wobei ein wesentlicher Ansatz nach wie vor auch hier außer Acht gelassen wird: Müssten man konkret im ländlichen Raum auch wieder von der Zentralisierung weg? *Muss* es sein, daß jeder und jede auf Mobilität angewiesen sind, um grundlegende Besorgungen, Arztbesuche, Behördengänge, ... zu erledigen? 😉 )

@z428 Ohja, das ist ein verdammt wichtiger Aspekt. Und allen voran die Arbeit: Da quält sich dann der Büromensch, der sein Eigenheim im Münchner Westen gebaut hat, jeden Tag zweimal anderthalb Stunden durch die Stadt zum Arbeitgeber, der sich im Münchner Osten angesiedelt hat – um dann den ganzen Tag in Telcos mit Leuten zu hängen, die sowieso nicht vor Ort sind, sondern in anderen Konzernfilialen, wo diese das gleiche Spiel betreiben.

@lilo Oh ja... Das auch. Ich hab aber auch wieder zu den Feiertagen gelernt: Meine Eltern (beide 65+) haben ein Haus in einem 600-Seelen-Dorf. Dort gibt es außer Wohnhäusern und einem Bäcker-Auto am Morgen keinerlei Infrastruktur. Die nächste wirklich größere Stadt ist Chemnitz und mit dem Auto eine Dreiviertelstunde, mit dem Bus je nach Tageszeit 2..3h entfernt. In diesem Rahmen bist Du ohne Auto verloren und kannst (im Winter und Mittelgebirge) über Fahrrad als Empfehlung nur müde lachen. 😐

@z428 Es wäre interessant zu erfahren, wie die Leute sich da organisieren. Denn zum Leben braucht es ja etwas mehr, als Brot.
@lilo

@herrdoering @z428 Ich wohn selber so (ohne Bäckerauto). Da fährt man eben mit dem Auto die 5km zum Supermarkt im nächsten Dorf – mit Einkaufszettel, weil was vergessen ist doof. Alles andere: dito.

Der Witz ist jetzt: Das machen alle im Dorf genauso, und in jedem Auto zum Supermarkt sitzt dann eine Person. Wobei ins Auto leicht die Einkäufe von 2 Familien passten, man bräuchte nur ein praktikables Mitnahme-System.

@herrdoering @z428 Weiß nicht, wie es anderswo ist, aber in die Stadt muss ich eigentlich selten, dafür eben in Läden, zu Ärzten usw., die in der Regel "2, 3 Dörfer weiter sind". Also gerade eine Distanz, die mit dem Auto <10 Minuten sind, mit dem Fahrrad dann schon das doppelte oder dreifache und mit öffentlichem Nahverkehr ca. 30 Minuten im Gutfall.

@herrdoering @z428 Das Problem, warum der ÖPNV nicht benutzt wird, ist aber: Hat irgendein Glied in der Umsteigekette Verspätung, dann stehst du bei Bussen, die nur einmal die Stunde oder seltener fahren, im Winter ziemlich lange in der Kälte – und das eben alles bei Strecken, die mit dem Auto < 10 min bräuchten.

@lilo Wenn ich an einen idealen Wohnort denke, dann denke ich eigentlich immer an eine Kleinstadt. Also an einen Ort, wo es nicht den Druck der Großstadt gibt, was Mieten, Luftverschmutzung und Verdichtung angeht. Aber ganz weit draußen, warum zieht man da hin? Oder war man schon immer da?
@z428
@lilo In Augsburg gibt es eine solidarische Landwirtschaft. Da bauen bestimte Bauern gemeinsam etwas an und Städter helfen ihnen bei bestimmten Dingen. Das kostet um die 52 € pro Monat und man bekommt immer, was es gerade gibt, bzw. kann man es sich ein bisschen aussuchen.

Ich selbst bzw. wir haben nicht einmal das geschafft. Ich war erst ziemlich begeistert, aber ich kann mir nicht vorstellen 8 Stunden täglich zu arbeiten und dann nochmal für solch einen Verein. Wir haben es dann einfach nicht gemacht.

Solche Engagements würden ja auch sowohl die Landschaft, wie auch die Städte entlasten, würden die Menschen wieder mehr mit der Natur verkoppeln. Aber eben alle Konjunktiv.

@z428

@herrdoering Das klingt nach einem schönen Projekt, aber es müssen sich ja auch nicht alle so engagieren. Ich kaufe mittlerweile viel in Hofläden, das reduziert auch Lieferwege.

Milch, Fleisch, Eier, Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln, Honig ist hier alles nicht mehr aus dem Supermarkt.

@z428

@lilo Ja, das geht so in die RIchtung, wie es mir irgendwie sofort in den Kopf kam: Sich irgendwie zusammentun. Bei 10 Minuten ist sicher die Not noch nicht so groß. Aber wenn ich eine Dreiviertelstunde benötige, um überhaupt was Größeres einzukaufen, dann würde ich sehen, ob ich mich mit anderen Leuten verabrede.
@z428

@herrdoering Das passiert kaum. Das passiert (eigene Beobachtung) vor allem auch deswegen nicht, weil dann natürlich andere gesellschaftliche Triebkräfte eine Rolle spielen. Etwa: In dem Dorf, in dem meine Eltern wohnen, gab es auch nach "der Wende" lang einen kleinen Dorfladen. Der hat irgendwann zugemacht. Warum? Weil die Leute letztlich das Preisniveau, die Auswahl, die Angebote der Supermarkte haben wollten. Wer will es ihnen auch verübeln? Letztlich wohnen in der Stadt...

@lilo

@herrdoering ... und auf dem Land ähnliche Menschen, und ebenso wie in der Stadt nie alle an derselben Stelle diesselben Dinge einkaufen gehen, funktioniert das auch auf dem Land nicht.

@lilo

@z428 Ja, der Laden wäre dann im Grunde etwas, was es wieder bräuchte, nicht? Wenigstens für die häufigsten Grundbedarfe. Ich hatte mal was gelesen von einem Ort, wo die Bewohner selbst dann sowas auf die Beine gestellt haben.

Warum ich frage ist nicht Unverständnis, ich weiß ja, wie es ist. Aber ich kann und möchte mir auch nicht vorstellen, dass irgendwann alle Menschen nur noch in Großstädten leben. Ich suche immer nach Inspirationen...


@lilo

@herrdoering Vermutlich braucht es dort auch neue Konzepte. Etwa: Gezielte staatliche Förderung von Dezentralisierung. Mehr digitale Infrastruktur aufs Land. Subventionen von "Tante-Emma-Läden" für die Nahversorgung, verbunden vielleicht mit Lieferdiensten, die "on demand" für Kunden auf Bestellung die Auswahlbreite schaffen und nicht teurer sind als der Supermarkt im Nachbarort. Vielleicht auch dynamischerer ÖPNV. Mehr Rufbusse. Ich merke in der Stadt auch, wie privilegiert ...

@lilo

@herrdoering ... ich bin, wenn ich mit meiner besseren Hälfte ins Theater, danach noch 'was essen gehe und dann gegen Mitternacht oder auch danach mit der Bahn nach Hause fahre. Auf dem Land gibt es sicher auch Menschen, die das gern wöllten, aber dort überhaupt nicht können. Das geht auch in einer Kleinstadt nicht. All das sind die Faktoren, die die Menschen in große Städte ziehen (mit allen damit verbundenen Problemen).

@lilo

@z428 Ja, das ist ein gutes Beispiel.

Aber sicher hat das Leben auf dem Land oder wenigstens etwas weiter draußen auch Vorteile, bessere Luft, Kinder, die frei spielen können, weniger soziale Spannungen, günstigere Boden- und Immobilienpreise...

Vielleicht liegt es auch an unserer Lebensart. Jobs gibt's halt überwiegend auch in der Stadt. Wenn man also Möglichkeiten fände, auf dem Land zu arbeiten, direkt oder vielleicht als Telearbeit, dann würden dort vielleicht auch wieder soziale Räume entstehen.

Ich beobachte bei uns momentan sehr, wie verdichtet und zugebaut wird. Damit schwinden auch schöne Orte in der Stadt rapide, Parks, grüne Flecken, unbebaute Grunstücke, wo noch ein paar Viecher eine Heimstatt finden.

Die Lösung ist sicher nicht, auf dem Land zu wohnen und dann jeden Tag mit dem Auto 50 km in die Stadt zum Arbeiten zu fahren.

@lilo

@herrdoering Ich glaube, hier würden Änderungen nur mit politischem Willen und einem sehr klaren Bekenntnis zu "starken" Kleinstädten mit einem eng angebundenen Umland und mehr Infrastruktur in Dörfern funktionieren. Aber das sehe ich schon deswegen nicht, weil die Wortführer gegenwärtiger politischer Zukunftsvisionen nahezu alle aus Großstädten (vorrangig Berlin) kommen.

@lilo

@herrdoering Hier sehr einfach: Mit dem Auto. Punkt. Dor that jede Familie, jedes Haus mindestens eines, die meisten zwei oder drei. Natürlich wird versucht, Fahrten zu minimieren, schon aus Zeitgründen. Aber meist geht das schlecht. Die wenigsten Ziele, die es zu erreichen gilt, liegen am gleichen Ort - selbst öffentliche Behörden sind dank verschiedener Kreisreformen mittlerweile auf drei recht verstreute größere Städte verteilt.

@lilo

@herrdoering Interessant ist hier indes die Veränderung: Früher (DDR) war das deutlich einfacher: Für die Nahversorgung gab zwei Läden, eine Post, eine Sparkassenfiliale und eine "Gemeinde" / Bürgerbüro direkt im Ort, ebenso einen Kindergarten. Die Schule, in die alle Kinder zwingend gingen, war im Nachbarort, dorthin gab es frühmorgens einen dedizierten Schulbus. Arbeitszeiten der Mehrzahl all jener, die nicht vor Ort in der Landwirtschaft arbeiten, waren so weit abgestimmt, dass ...

@lilo

@herrdoering ... morgens drei Busse (5:30, 7:00, 8:00) und abends drei Busse (16:00, 17:00, 18:00) reichten, um faktisch alle, die für die Arbeit das Dorf verlassen mussten, wieder hin und zurück zu bringen. Durch Zentralisierung, freie Schulwahl, freie Arztwahl, flexible Bürozeiten, längere Pendelstrecken, ... sind die Mobilitätsanforderungen an den Einzelnen in den letzten drei Jahrzehnten exorbitant gestiegen in einer Art und Weise, die ÖPNV kaum darstellen kann. Und hier (siehe ...

@lilo

@herrdoering ... den "Umweltsau"-Diskurs) prallen zurzeit Welten aufeinander. Viele der Menschen in meinem Dunstkreis, die so leben, fühlen sich in der gegenwärtigen Debatte pro Klimaschutz / "kontra Pkws" vollständig zurückgelassen, weil sie ihnen ein Kern-Element ihrer Existenz streitig machen, ohne das auch nur als Problem auf dem Schirm zu haben.

@lilo

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